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SO VERMEIDEN SIE SCHMERZEN UND SCHWELLUNGEN, WENN EIN ZAHN GEZOGEN WURDE

Kategorien: Zahnentfernung

Wenn ich die häufigsten Fragen prämieren sollte, die einer Zahnärztin gestellt werden, wäre diese unter den ersten Drei: „Wenn mir ein Zahn gezogen wurde: was kann ich zuhause tun, damit ich keine Schmerzen und keine Schwellung bekomme?“

Die einfache Antwort lautet: auch wenn es noch so unangenehm nach Blut schmecken mag: lassen Sie alles so wie es ist.

Die etwas komplexere Antwort folgt nun.

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Tipps und Tricks, damit schnell alles wieder besser wird

Nehmen wir an, Ihnen wurde ein unterer Backenzahn entfernt. Damit es Ihnen möglichst schnell wieder gut geht, heißt die Devise: nichts essen, wenn sich alles noch taub anfühlt. Denn solange dies der Fall ist, fehlt die Kontrolle darüber, ob Sie sich unabsichtlich beißen. Außerdem merken Sie nicht, ob eine Speise oder ein Getränk vielleicht zu heiß ist und Sie sich im Mund verbrennen. Ohnehin lässt das Taubheitsgefühl sehr schnell nach: je nach Betäubungsart bereits nach 30 Minuten oder auch mal bis zu 3 Stunden.

Wenn Sie Durst verspüren, ist ein normal temperiertes Getränk in Ordnung, gerne auch mit einem Strohhalm.

In den ersten zwei Tagen sollten Sie auf extrem körniges Essen wie Nüsse, Reis oder Müsli verzichten. Das ist selbsterklärend, denn die Körner könnten in die Wunde gelangen und dort Entzündungen verursachen. Generell sollten Sie in dieser Zeit auch die Finger von sehr harter Nahrung lassen. Stellen Sie sich vor, Sie beißen auf eine harte Brotkruste oder Zwieback.  Das fühlt sich überhaupt nicht gut an.

In den ersten Tagen danach sollten Kaffee, Tee, Zigaretten und Alkohol tabu sein! Das Rauchen sorgt immer wieder für Diskussionen. Aber es ist nun mal ein Fakt: Nikotin lagert sich bei Rauchern ohnehin schon im Körper ab und richtet langfristig Schaden an. Also ist es am besten, sogar bereits ein paar Tage vor der Zahnentfernung das Rauchen bleiben zu lassen. Auch nach der OP empfehle ich, möglichst lange mit dem Rauchen abzuwarten, denn Nikotin kann den Prozess der Wundheilung stören und zusätzlich Schmerzen verursachen.

Was tun, wenn die Wunde blutet und schmerzt?

Eine Zahnentfernung oder eine größere Zahn-OP wird von Person zu Person unterschiedlich mental und körperlich weggesteckt. Für viele von uns ist Ausruhen die beste Medizin. Es ist sehr hilfreich, in den ersten Stunden danach nicht so viel reden, denn durch die Bewegung kann die Wunde wieder anfangen zu bluten.

Wenn der Zahnarzt erfahren ist, wird es im Mund nicht allzu sehr anschwellen. Sollte das doch passieren, hilft Kühlen, Kühlen, Kühlen! Ich empfehle, im Falle von Schwellungen abwechselnd eine halbe Stunde lang zu kühlen und eine halbe Stunde Pause einzulegen. Aber auch, wenn alles problemlos verlaufen ist, ist Kälte ein sehr gutes Mittel. Denn es verengt die Blutgefäße und nimmt den Druck weg.

Oft merken die Patienten gar nichts, aber falls die Wunde anfängt weh zu tun und es Ihnen zu unangenehm wird, spricht nichts gegen ein leichtes Schmerzmittel. Das kann je nach Ihrem Gesundheitszustand Paracetamol oder Ibuprofen 400 bzw. 600 sein. Checken Sie auf jeden Fall bei Schmerzmitteln den Beipackzettel auf mögliche Nebenwirkungen. Denn diese könnten auf den Magen schlagen oder Leber und Nieren belasten.

Bitte nehmen Sie auf keinen Fall Aspirin nehmen, denn das kann nach einigen Stunden dazu führen, dass Nachblutungen auftreten. Aspirin wirkt nämlich wie einige andere Mittel blutverdünnend und das wäre in diesem Fall kontraproduktiv.

Wenn die Wunde etwas bluten sollte, nehmen Sie einfach einen Tupfer und beißen eine halbe Stunde fest darauf. Druck stoppt die Blutung am allerbesten. Mehr zum Thema Nachblutungen finden Sie in meinem Artikel über Weisheitszahn-OPs (Link: https://andrea-jacob-zahnarzt.de/nach-der-weisheitszahn-op-was-hilft-gegen-das-nachbluten/)

Bei aller Vorsicht die Hygiene nicht vergessen!

Sie sollten natürlich weiterhin Ihre Zähne putzen – auch in der Nähe der Wunde, aber eben dort etwas vorsichtiger. Ein paar Tropfen Blut an der Zahnbürste sind noch kein Alarmsignal. Diese minimale Blutung stoppt von alleine wieder.

Die permanente Mundhygiene ist gerade nach einer OP sehr wichtig um zu verhindern, dass sich Keime und Bakterien in die Wunde setzen.

Aber Vorsicht: Mundspüllösungen sind unnötig, wenn nicht sogar schädliche Chemiebomben. Es gibt Studien, die nahelegen, dass dadurch sogar die Wundheilung verlangsamt wird.

Auch wenn es an der Wunde leicht nach Blut schmeckt: bitte auf keinen Fall die Wunde und den Mundraum ausgurgeln! Denn wenn ein Zahn entfernt werden muss, dann oft weil er in Mitleidenschaft gezogen und mit Keimen besetzt oder schon zerstört ist. Das entstehende Loch wird oft aus gutem Grund nicht zugenäht, um eine offene Wundheilung zu ermöglichen. In der Wunde bildet sich dann ein Blutpfropf, in der Fachsprache Koagulum genannt.

Das ist extrem wichtig, denn der Pfropf ist wie ein Wundverband für den darunterliegenden Knochen und trägt dazu bei, dass Sie keine Schmerzen bekommen. Er schützt den Knochen während der ersten Stunden und Tage.  Wenn Sie den Pfropf wegspülen, werden der Knochen und Nerven freigelegt – eine sehr schlechte Idee! Denn dies kann zu einer Alveolitis, einem trockenen Knochenfach führen, was sehr schmerzhaft ist.

Aber keine Angst: wenn Sie die Ratschläge befolgen, werden Sie ganz problemlos durch die Tage nach der Zahnentfernung kommen.

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