Mundspülung

Mundspülungen, Mundwasser, Mundspray – ein sehr kontroverses Thema

Kategorien: Mundspülung

Sie kennen die Produktversprechen mit Sicherheit: Mundspülungen bieten Schutz vor Karies und Zahnfleischerkrankungen, sie reduzieren Plaque auf den Zähnen und so weiter.

Doch wie fundiert sind die Versprechen? Wird das nicht nur durch die Werbung hochgespielt? Und wenn Mundwasser tatsächlich helfen, welches ist zu empfehlen? Wann sollte man sie anwenden? Gibt es Risiken?

Sie haben sich die Fragen vielleicht auch bereits gestellt. Ich gebe einige Antworten, als Zahnärztin mit mehr als 20 Jahren Praxiserfahrung und natürlich auch als Privatperson.

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Das trügerische Gefühl etwas Gutes zu tun…

Natürlich betont die Werbung die Vorteile von Mundspülungen, Mundwassern oder Sprays. Das ist ihr gutes Recht. Aber es sind und bleiben Chemiebomben, die auch genau so einschlagen. Das bedeutet: sie sind effektiv, aber leider zu effektiv für meinen Geschmack. Denn sie töten sowohl die „schlechten“ als auch die guten und nützlichen Keime im Mund und Rachenraum.

Diese Keime sind nur die ersten kleinen Helferlein im Körper, die den Prozess der Nahrungsaufnahme unterstützen und somit unverzichtbar sind. Für eine gesunde Mundflora brauchen Sie keine zusätzliche, dauerhafte Mundspülung.

Wichtig ist, dass Sie bewusst entscheiden, wann und zu welchem Zweck Sie eine Mundspülung einsetzen. Es geht in die falsche Richtung, wenn Sie ein Mundwasser nur einsetzen mit dem Gefühl, damit etwas Gutes für sich zu tun. Das ist vergleichbar mit der Tatsache, dass viele Menschen bei Beschwerden gleich zu Antibiotika greifen. Das ist der Overkill.

Wenn Sie als Raucher nach einer Zigarettenpause ein Mundwasser nutzen, um wieder einen frischen Atem zu haben, ist das ein Grund. Ich zum Beispiel nutze eine Mundspülung zum Gurgeln, wenn ich merke, dass mein Hals anfängt zu kratzen. Aber ich beschränke das auf ein bis zwei Tage und vermeide damit aufkommende Halsschmerzen.

Es gibt Zahnärzte, die empfehlen bei einer Zahnfleischentzündung oder während einer Parodontosebehandlung kurzzeitig eine Mundspülung. Das ist Geschmackssache, aber im Zweifelsfalle völlig in Ordnung. Die Betonung liegt jedoch auf kurzzeitig.

Meiner Ansicht nach brauchen Sie bei normaler Mundhygiene inklusive Zungenreinigung, Zahnzwischenraumpflege, regelmäßigen Zahnarztbesuche mit Zahnreinigung keine Mundspülung.

Risiken und Nebenwirkungen … und Alternativen

So sehr wie die Vorteile von Mundspülungen in der Diskussion stehen, so sehr wird auch auf wissenschaftlicher Ebene über mögliche Risiken debattiert.

Vor einigen Jahren hat eine europaweite Studie Hinweise darauf geliefert, dass die permanente Anwendung von Mundspülungen das Krebsrisiko in den oberen Luft- und Speisewegen erhöhen kann. [1]

Wenn Sie Mundspülungen verwenden müssen, achten Sie zumindest auf die Inhaltsstoffe. Einige Studien legen nahe, dass Spülungen mit hohem Alkoholgehalt ebenfalls das Risiko erhöhen, an Mundkrebs zu erkranken, da sie die Mundschleimhaut durchlässiger für karzinogene Substanzen machen. [2]

Auch der Inhaltsstoff Chlorhexidin steht in Verruf, bei längerer Anwendung die Mundschleimhaut zu schädigen. Es ist einer der Stoffe, der anscheinend auch nützliche Keime abtötet und indirekt steigenden Blutdruck zur Folge haben kann. [3]

Bei all diesen potentiellen Risiken, rate ich Ihnen zu zwei Alternativen, wenn Sie der Überzeugung sind, auf Dauer eine Mundspülung zu brauchen.

Die erste Option: schauen Sie einfach mal nach Do-it-yourself-Mundspüllösungen aus dem Biomarkt.

Die zweite gute Variante ist das sogenannte „Öl ziehen“. Hier nehmen Sie einen Esslöffel Öl (vorzugsweise Olivenöl oder Kokosöl) in den Mund und saugen es einige Minuten lang durch die Zähne hin und her. Das Öl nimmt dabei Giftstoffe auf. Vergessen Sie daher nicht, das Öl auszuspucken!

Ich hoffe, ich konnte etwas Licht ins Dunkel bringen und Ihnen mit Tipps weiterhelfen!


[1] Ahrens W et al. Oral health, dental care and mouthwash associated with upper aerodigestive tract cancer risk in Europe: the ARCAGE (Alcohol-Related Cancers and Genetic-susceptibility in Europe) study. Oral Oncology, online 28. März 2014.  https://www.oraloncology.com/article/PIIS1368837514000657/abstract

[2] Contemporary Oral Medicine, https://research-repository.uwa.edu.au/en/publications/contemporary-oral-medicine und https://zhkplus.de/wissensbasis/mundspulungen-und-mundkrebsrisiko/

[3] Assessing the Oral Microbiome in Blood Pressure Regulation: Measuring the Impact of Chlorhexidine on Nitrate Reducing Communities https://iadr.abstractarchives.com/abstract/45am-2412271/assessing-the-oral-microbiome-in-blood-pressure-regulation-measuring-the-impact-of-chlorhexidine-on-nitrate-reducing-communities

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