Wir alle kennen das brennende Gefühl im Mund, das uns "Frische" und "Sauberkeit" suggeriert. In den Supermarktregalen reihen sich bunte Flaschen aneinander, die 24-Stunden-Rundumschutz gegen Karies und Parodontose versprechen. Doch was ist dran an diesen Werbeversprechen?
Das Problem mit dem "Rundum-Check" aus der Flasche
Viele nutzen Mundwasser in dem Glauben, Stellen zu erreichen, an die die Zahnbürste nicht hinkommt. Doch hier liegt der erste Denkfehler:
- Keine mechanische Wirkung: Mundspülungen können den bakteriellen Biofilm (Plaque) nicht auflösen. Das ist so, als würde man versuchen, ein schmutziges Auto sauber zu bekommen, indem man nur einen Eimer Wasser darüber schüttet, ohne einen Schwamm zu benutzen.
- Zu kurze Einwirkzeit: Die meisten Lösungen sind so scharf, dass wir sie nach spätestens 30 Sekunden ausspucken. Um wirklich durch die Plaque-Schichten bis zur Zahnoberfläche vorzudringen, reicht diese Zeit bei weitem nicht aus.
Das orale Mikrobiom: Warum "antibakteriell" gefährlich sein kann
Unsere Mundhöhle ist ein komplexes Ökosystem aus Bakterien, Viren und Pilzen. Es ist der Anfang unseres Verdauungstrakts.
- Gute Bakterien schützen uns: Wer seine Mundhöhle täglich mit aggressiven Chemikalien "desinfiziert", tötet auch die nützlichen Keime ab, die wir für die Verdauung und die Immunabwehr benötigen.
- Nebenwirkungen: Eine gestörte Mundflora zeigt sich oft durch eine brennende Mundschleimhaut oder unschöne Verfärbungen an Zähnen und Zunge.
Wundheilung nach OPs: Weniger ist mehr
Oft wird nach dem Ziehen von Weisheitszähnen zu chlorhexidinhaltigen Spülungen geraten. Dr. Jacob warnt jedoch: Neuere Studien zeigen, dass diese Mittel die Wundheilung sogar verlangsamen können. Ihr Tipp für die Zeit nach der Operation:
- Mut zum Putzen: Vorsichtiges mechanisches Reinigen ist effektiver.
- Natürliche Alternativen: Lauwarmer Kamillentee oder einfaches Wasser helfen, Speisereste sanft zu entfernen, ohne das Gewebe zu reizen.
Die wahre Wunderwaffe: Dein eigener Speichel
Die beste Mundspülung der Welt kostet keinen Cent: Es ist unser Speichel. Er produziert täglich bis zu 1,5 Liter "Wunderwasser" mit entscheidenden Funktionen:
- Remineralisierung: Er enthält Calcium und Magnesium, die kleine Schäden im Zahnschmelz direkt reparieren.
- PH-Wert-Puffer: Er neutralisiert die Säuren, die nach dem Essen entstehen und den Zahnschmelz angreifen.
- Spülfunktion: Er transportiert Speisereste ab – ganz natürlich und ohne Chemie.
Tipp der Expertin: Trink einen Liter Wasser mehr am Tag! Das verbessert die Qualität deines Speichels und schützt deine Zähne besser als jedes teure Mundwasser.
Fazit: Ursachen finden statt Symptome übertünchen
Mundgeruch oder Zahnfleischbluten sind Warnsignale des Körpers. Eine Mundspülung übertüncht diese nur kurzzeitig mit Minzgeschmack, löst aber nicht das Problem. Statt auf Chemie zu setzen, sollten wir:
- Zucker reduzieren: Die Hauptursache für Karies.
- Mechanisch reinigen: Schallzahnbürste und Zahnseide sind unverzichtbar.
- Lebensstil prüfen: Stress und Ernährung beeinflussen unser Immunsystem und damit auch unsere Mundgesundheit.
Mundspüllösungen sind oft wie ein Deo, das man benutzt, um das Duschen zu vermeiden. Es riecht kurz gut, aber sauber wird man dadurch nicht.





