Kieferknacken

Kieferknacken – ist das schlimm?

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Viele Menschen leiden an diesem Gelenkknacken im Kieferbereich. Sie nehmen es beim Essen wahr und denken, dass es sogar der Tischnachbar hört. Selbst das Essen kann nicht mehr ungestört genossen werden, da Sie es immerzu wahrnehmen.

Doch woher kommt dieses Phänomen? Kann das Gelenk auf die Dauer dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden? Müssen Sie sich damit abfinden oder sollten Sie rasch zum Zahnarzt gehen?

Hier gibt es die Antworten auf diese Fragen und Hilfestellung, wie man die Ursachen des Kieferknackens beseitigen kann.

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Was verursacht das Kieferknacken?

Um zu beurteilen und zu verstehen, was genau da knackt, muss man den Aufbau des Kiefergelenks betrachten. Normalerweise besteht ein Gelenk aus Gelenkpfanne und Gelenkkugel, die in der Regel perfekt aufeinanderpassen.

Das Kiefergelenk hingegen ist ein Zweikammerngelenk und zudem sehr klein. Es liegt direkt an der Schädelbasis, die eine eigene Form hat und nicht so richtig mit der Form des Kiefergelenks zusammenpasst. Um dies auszugleichen gibt es eine Art Bandscheibe, den Discus articularis, der wie ein Faserknorpel zwischen Schädel und Kiefer sitzt.

Kaumuskeln ziehen den Discus beim Mundöffnen aktiv nach vorne, während elastische Fasern, die am Schädel hängen, ihn beim Schließen des Mundes wieder an seine alte Position zurückziehen.  Nun kann es sein, dass der Discus manchmal von dem Gelenkköpfchen herunterrutscht, aber beim Öffnen des Mundes automatisch wieder in die korrekte Lage gezogen wird. Dann kommt es zu dem berüchtigten Kieferknacken.

Es wird immer noch diskutiert, ob das Knackgeräusch nun von Luftbläschen kommt, die dann platzen oder ob das Geräusch direkt von dem Gelenkköpfchen stammt. Das Phänomen ist vergleichbar mit dem Knacken in den Fingergelenken, das bei manchen Menschen ziemlich ausgeprägt ist.

Nun die wichtige Frage: ist das schlimm?

Muss ich bei Kieferknacken schnellstens zum Zahnarzt?

Um zu beantworten, ob Kieferknacken kritisch ist oder nicht, müssen wir zwei Fragen stellen:

Erstens: Wann knackt es? Zweitens: Tut es weh?

Die zweite Frage ist ganz entscheidend. Natürlich kann Kieferknacken sehr laut sein und auch zu einer leichten psychologischen Belastung werden. Aber dadurch, dass das alles sehr nahe am Ohr passiert, hört sich das Knacken für Sie selbst jedoch viel lauter an als für andere. Das ist also kein Grund zu handeln.

Wenn das Kiefergelenk knackt, ohne dass es Ihnen Schmerzen verursacht, müssen Sie nichts dagegen unternehmen.

Wenn das Knacken Sie jedoch einfach nur stört, kann man einiges dagegen tun.

Kieferknacken – so lässt sich das Problem beheben

Dazu muss man den Körper als Ganzes sehen und herausfinden, was eventuell aus dem Gleichgewicht geraten ist. Denn viele kleine muskuläre Strukturen setzen am Kiefergelenk an und stabilisieren es. Das alles ist eingebettet in das Muskel-, Sehnen und Bändersystem des Körpers. Und Fehlfunktionen des gesamten Skelettes und muskulären Systems können sich bis ins Kiefergelenk auswirken.

Ich bin keine Zahnärztin, die gleich auf die sogenannten „Knirscherschienen“ zurückgreift. Ich arbeite vielmehr in solchen Fällen sehr eng und gerne im Rahmen einer manuellen Therapie mit Physiotherapeuten zusammen.

Wenn Patienten zu mir kommen und sagen: „Ich musste während einer Zahnarztbehandlung den Mund sehr lange geöffnet halten und nun passt das alles nicht mehr zusammen“, dann kann das zwar der Auslöser gewesen sein, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Die eigentliche Ursache mag aber an einer ganz anderen Stelle liegen.

Ich vergleiche den Menschen mit einem „Klickklack“-System. Der menschliche Körper kann vieles ertragen und ausgleichen. Wenn Sie zum Beispiel ein muskuläres Problem am Fußgelenk haben, versucht der Körper oft mit einer Ausgleichsbewegung auf der anderen Seite oder durch eine Schonhaltung entgegenzuwirken.

Die tatsächliche Ursache für ein Kieferknacken kann eventuell auch ein muskuläres Problem im Rücken sein. Denn die Rückenmuskulatur hängt mit der Nackenmuskulatur zusammen und diese wiederum mit den Kau- und Gesichtsmuskeln. Sie sehen: alles ist miteinander verbunden und erfüllt gemeinsam seinen Dienst im Körper.

Daher ist es sinnvoll, zusammen ein Konzept zu entwickeln, das unter Umständen sogar Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen einbindet. Statt nur die Symptome zu bekämpfen, muss die Ursache gefunden werden.

Natürlich kann der Ursprung des Problems auch am Kiefer liegen.

Machen Sie diese interessante Übung: stellen Sie sich entspannt und in gerader Körperhaltung vor den Spiegel, die Füße nebeneinander parallel ausgerichtet. Öffnen Sie langsam den Mund und verfolgen die Bewegung ganz genau. Bei manchen Menschen verläuft das Öffnen nicht geradlinig. Es weicht zum Beispiel der Unterkiefer wie in einer Art Seitwärtsbewegung von der Mittellinie ab. Wie sieht das bei Ihnen aus?

Falls die Bewegung nicht gerade erscheint, sollten Sie konsequent darauf achten, die Gelenke absolut symmetrisch auf- und zu bewegen. Das kann gegen das Kieferknacken sehr hilfreich sein.

Auch Schluckbewegungen können „falsch“ sein. Die Kaumuskeln links und rechts ziehen nicht synchron und es kommt es zu falschen Bewegungsabläufen. Oder es schleichen sich schlechte Angewohnheiten ein, wie zum Beispiel ein unbewusstes einseitiges Mahlen, Pressen oder Zähneknirschen. Dies kann bereits Missverhältnisse in der Muskulatur auslösen.

Wichtig ist, dass wir den menschlichen Körper ganzheitlich betrachten. Wenn Sie also das Kieferknacken beseitigen wollen oder Schmerzen verspüren, suchen Sie am besten den Zahnarzt auf, damit dieser die für Sie beste Lösung findet.

Im Video hieß es „Knackt es beim Öffnen“? Aber du hast keine Antwort gegeben, inwieweit der Zeitpunkt eine Rolle spielt

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